In einem Polizeiwagen fanden sich am Ende eines langen Karnevalstages Michael Bahn und Jasmin Hinze wieder. Aber anders als man denkt: Der Geschäftsführer und die Sozialpädagogin waren nach dem Braunschweiger Karnevalsumzug 20 Minuten zu Fuß zu ihren Autos gegangen als sie der Anruf ereilte, dass sie bitte in 10 Minuten in der Volkswagenhalle den Preis für den besten Umzugswagen entgegennehmen sollten.
In ihrer Verzweiflung hielten Sie einen Mannschaftswagen der Polizei an, der sie – Dienstanweisung hin oder her – stilecht vor der Halle vorfuhr. Dank der Polizei, deinem Freund und Helfer, konnten Beide kurze Zeit später unter großem Applaus die Urkunde und Glückwünsche des Oberbürgermeisters entgegennehmen.
Tagsüber hatten die beiden auf ihrem nunmehr ausgezeichneten Motivwagen Kamelle geworfen und vor allem für das Projekt „Runter von der Straße“ geworben – gemeinsam mit Kolleg:innen der Diakonischen Gesellschaft Wohnen und Beraten (DWB), Betroffenen und vielen Ehrenamtlichen, die das Jubiläumsprojekt unterstützen. Ohne sie wäre unsere Teilnahme nicht möglich gewesen.
Der ehemalige Wohnungslose Franky sagt: „Wenn Du kein Zuhause hast, dann bist du der Gelackmeierte. Darum unterstütze ich sehr gerne das Projekt ,Runter von der Straße‘. Holt unsere Jungs und Mädchens wieder runter von der Straße - zurück nach Hause“. Es sei der Sinn des Wagens, Werbung zu machen „für unser Haus, das wir bauen wollen“. Denn in diesem Jahr soll ein Grundstück gefunden werden für ein Gebäude, in dem dann 20 wohnungslose Menschen ein Zuhause finden sollen. Finanziert wird das Projekt im Jubiläumsjahr – 150 Jahre Stiftung Wohnen und Beraten – aus Spenden und durch Zuschüsse.
Auf dem Wagen war als Motiv ein Mensch zu sehen, der mit dem Oberkörper in einem großen Pappkarton steckt – eine typische Behausung für die über 550 wohnungslosen Menschen in Braunschweig. Wagenbauer Konrad Körner hatte das Motiv entwickelt und wagenbauerisch umgesetzt. Und so reihte sich der Wagen mit der Nummer 317 als einer von 130 Wagen in den fünf Kilometer langen Zug durch die Braunschweiger Innenstadt ein. Das NDR-Fernsehen stellte den Wohnungslosen-Wagen in den Mittelpunkt seiner Schoduvel-Berichterstattung. Vier Stunden rollte der Wagen, von vier „Radengeln“ an den Rädern bewacht, durch die Stadt und rund 300.000 Menschen begrüßten das 13-köpfige Team. Die bedankten sich mit Kamelle in Form von Kaubonbons und Kaugummi, kleinen Popcorn- und Chipstüten. Süßigkeiten im Wert von über 1000 Euro waren der DWB gespendet worden.
Bahn schätzte die Schokoriegel wegen ihrer Flugeigenschaften: Mit etwas mehr Gewicht konnte er sie auch Menschen im ersten Stock oder weiter weg zuwerfen. Bahn war als Monopoly-Mann verkleidet, Geschäftsführer-Kollege Maik Gildner als Miethai. Dezenter kann man die Grundstückssuche nicht unterstreichen. Vor dem Wagen marschierte und tanzte die Cheerleader-Truppe „Braunschweig Lions“.
Nach Angaben der Stadt steht der Schoduvel, der größte Straßenkarneval Norddeutschlands, für die mehr als 700 Jahre alte Geschichte des Braunschweiger Karnevals. Bereits im Jahre 1293 ist der Schoduvel demnach im Stadtbuch nachweisbar – und damit sogar älter als der Kölner Karneval, wie man in „Brunswick“ nur zu gerne betont.
Link zum NDR-Beitrag:
Braunschweig: Super Stimmung und tolles Wetter beim Schoduvel | ndr.de
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